Camping im Herbst🍂
Die goldene Nebensaison – in vielerlei Hinsicht
Ein Gastbeitrag von Luisa & Lennart von «lunnisworld»
Ende September noch mit dem Camper ins Berner Oberland nach Interlaken? Ist es dafür nicht schon zu kalt? Die Antwort lautet ganz klar: Ja und Nein. Denn es kommt drauf an, wofür du in die schöne Region Interlaken reist: Für gemütliche Abende mit Seeblick und Tage voller Outdoor-Abenteuer ist es definitiv noch nicht zu kalt. Für einen Badeurlaub solltest du zu dieser Jahreszeit allerdings nicht zu den Warmduschern gehören. Denn mit frischen 16 Grad laden der Brienzer- und Thunersee eher im Hochsommer zum Baden ein. Dennoch haben wir uns auch im Herbst ins Wasser getraut. Aber beginnen wir doch einmal von vorne.
Erstes Ziel: Camping Hobby*, Unterseen – ein Platz nah am Geschehen
Nach einem Ausflug durch das Wallis kamen wir über den Grimselpass, der auch mit einem Camper gut befahrbar ist, ins Haslital. Von dort aus ging es direkt zu unserem ersten Ziel auf diesem Trip: dem Camping Hobby* in Interlaken. Der kleine und familiäre Campingplatz hat alles, was das große Camperherz begehrt. Von hier aus ist man mit dem Bus, den man mit der Gästekarte kostenlos nutzen kann, schnell zu vielen Zielen gefahren.
Nicht nur die gute Anbindung und die Nähe zur Stadt Interlaken machen den Standort des Campingplatzes so besonders. Von den Stellplätzen aus hat man einen tollen Blick auf die Gipfel von Eiger und Mönch. Was gibt es Besseres, als den Tag mit einem ausgedehnten Frühstück und diesem Ausblick zu starten?
E-Mountainbike-Tour um den Brienzersee
Wir haben uns für den Tag nach unserer Ankunft eine Radtour um den Brienzer See vorgenommen, um die Gegend sportlich zu erkunden. Da wir keine Fahrräder in oder an unserem Camper haben, sind wir mit dem Bus zu Flying Wheels gefahren, einem Verleihservice für e-Bikes und Fahrräder mitten in Interlaken. Inhaber Frank konnte uns neben der kurzen Einführung ins e-Bikefahren auch noch eine Menge toller Tipps für unsere Route geben. Eine Radtour um den See können wir jedem, der gerne Fahrrad fährt, wärmstens empfehlen. Die Route verläuft größtenteils durch die Natur, und man erhascht immer einen Blick auf den Brienzersee und die schönen, charmanten kleinen Orte entlang der Strecke.
Die Tour ist mit 40 km und ca. 800 Höhenmetern perfekt für einen halben Tag. Die Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte auf der Strecke machen die Tour sehr abwechslungsreich. Wie könnte man sonst die Überquerung der «Unterweidligraben Hängebrücke», den Besuch des pittoresken Örtchen Brienz inkl. Schweizer Geigenbauschule, den kleinen Aufstieg zu den beeindruckenden Giessbach Wasserfällen und den anschließenden Kaffee im Grandhotel Giessbach plus einen Ausflug ins schöne Örtchen Iseltwald an nur einem halben Tag verbinden?
ABOUT
Luisa Wülfert und Lennart «Lenni» Henke sind gemeinsam seit 2022 in ihrem selbst ausgebauten Campervan in ganz Europa unterwegs.
Als «lunnisworld» erkunden sie neue Orte und verbinden dabei die Freude am Reisen mit ihrer kreativen Arbeit als Fotografen und Content Creators.

Nach einem Tag Pause auf dem Campingplatz und leichtem Muskelkater in den Oberschenkeln startet für uns ein Tagesausflug auf die First bei Grindelwald. Auch hier reisen wir wieder ganz entspannt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, erst mit dem Bus Nr. 21 zum Bahnhof Interlaken Ost, dann mit der Bahn R61 nach Grindelwald und ohne Parkplatzsuche geht es direkt mit der Gondel hoch auf den Berg. Der Ausblick von hier ist einfach atemberaubend schön.
Direkt an der Bergstation der Gondel gibt es den First Cliff Walk, der für schwindelfreie Besucher ein echtes Erlebnis ist. Für alle, die etwas mehr Bewegung und Abenteuer suchen, ist ein Besuch des Bachalpsees ein tolles Ausflugsziel. Auf einem gut ausgebauten Weg geht es auf eine etwa einstündige Wanderung zum See. Einmal dort angekommen begrüßt uns eine Herde Kühe mit vielen Kälbern. Ein Stück weiter, nach ein paar extra Höhenmetern am Ende des Sees, erwartet dich ein traumhaftes Panorama – perfekt für eine kleine Picknickpause.
Zweite Station: TCS Camping Bönigen – ein kleines Idyll direkt am Brienzersee
Der Campingplatz liegt direkt am Wasser, ist etwas größer als der Camping Hobby und hier bemerken wir, dass sich die Blätter der Laubbäume langsam verfärben, der Herbst steht vor der Tür. Nach wenigen Schritten von unserem Stellplatz stehen wir direkt am See mit einem tollen Blick Richtung Brienz. Das Wasser ist kristallklar und die umliegenden Berge spiegeln sich in der Wasseroberfläche. Das Wetter lädt zum draußen sitzen ein und wir packen den Grill für das Abendessen aus. Die Sonne verabschiedet sich hinter den Bergspitzen während wir einen gemütlichen Abend vor dem Camper genießen.
Auch vom TCS Camping Bönigen kommt man schnell mit dem Bus in die Stadt. In 8 Minuten sind wir vom Campingplatz zur Haltestelle gelaufen und 10 Minuten später sitzen wir im Zug R61 von Interlaken Ost nach Wilderswil. Von hier aus fährt die Schynige-Platte-Bahn, eine nostalgische Zahnradbahn, die seit 1893 Menschen zur Schynige Platte befördert. So viel sei verraten – allein die Fahrt mit der Zahnradbahn ist ein echtes Highlight. Zuerst wird man mit einem Rundumblick auf beide Seen verwöhnt und später, nach einer kleinen Tunnelfahrt, eröffnet sich auch hier der Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Mit der Bahn oben angekommen, hat man eine Auswahl an vielen, schönen Wanderwegen. Wir entschieden uns für einen Rundweg, bei dem wir vor lauter schönen Ausblicken aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Dieses Abenteuer sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man einmal in der Campingregion Interlaken ist.
Dank der Nebensaison waren wir am Nachmittag auf großen Teilen der Strecke alleine unterwegs, was die Wanderung und Aktivitäten zu dieser Jahreszeit besonders attraktiv macht. Nach einem kleinen Aperitif auf der Sonnenterasse des Bergrestaurants erwischten wir die letzte Talfahrt um 17.53 Uhr (Herbst 2025).
Am nächsten Tag wachen wir voller Aufregung auf, denn heute steht ein ganz besonderes Abenteuer auf dem Plan. Da wir uns schließlich in der Region befinden, die für Gleitschirmflüge weltbekannt ist, wollten wir uns dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Unser Anbieter, Paragliding Interlaken, den wir ganz nebenbei erwähnt zu 100% empfehlen können, hat den Treffpunkt direkt gegenüber vom uns schon bekannten Fahrradgeschäft Flying Wheels Interlaken.
Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung wird man mit einem Shuttle-Bus nach Beatenberg gebracht. Von dort aus starten die Flüge und was sollen wir sagen – es ist atemberaubend! Für uns war es der erste Gleitschirmflug aber- soviel steht fest- sicher nicht der letzte! Neben der einzigartigen Aussicht, die man von oben aus der Luft hat, ist das Gefühl durch die Lüfte zu schweben einfach unbeschreiblich. Das Besondere am Flug ist, dass die Landung mitten auf der
«Höhematte» stattfindet, also direkt im Stadtzentrum von Interlaken. Perfekt, um sich danach in eines der
vielen Cafés zu setzen und das Geschehene Revue passieren zu lassen.
Dritte Station: Camping Manor Farm - Thunersee trifft auf Sonnenuntergang
Was in der Region Rund um Interlaken wirklich besonders ist, ist die Dichte an Campingplätzen, die einem
für einen Urlaub zur Auswahl stehen. Mit 15 Campingplätzen hat Interlaken die höchste Campingplatzdichte nördlich der Alpen in der Schweiz aufzuweisen. Das Schöne daran - es ist für jedenGeschmack und jeden Geldbeutel etwas dabei.
An unserem neuen Platz auf dem Camping Manor Farm angekommen, können wir es kaum glauben. Wir haben Platz Nr. 4, einen der Stellplätze direkt am See. Wir stehen also quasi auf dem Strand. Die Schiebetür parken wir in Richtung Sonnenuntergang und bauen unser Camp auf. Hier lässt es sich für unsere letzten Tage sehr gut aushalten! Mit dieser Kulisse haben wir etwas Besonderes für den Abend geplant – es gibt ganz traditionell Raclette, mit Schweizer Käse, über der offenen Flamme zubereitet. Zugegeben, das mit der offenen Flamme klingt vielleicht spektakulärer als es letztendlich ist, denn wir haben schon seit längerer Zeit ein kleines Teelicht Raclette mit an Bord, was für den minimalistischen Camper eine tolle Alternative darstellt. Mit dem Sonnenuntergang auf der einen und unserem Van auf der anderen Seite lassen wir uns den Käse schmecken und genießen einen traumhaft milden Abend.
Nach einem entspannten Tag Pause am See haben wir uns einen Low-Budget Ausflug ausgesucht, denn auch wenn man in der Schweiz immer gleich an hohe Preise denkt, gibt es viele Aktivitäten und Ausflüge, die man kostenlos machen kann. Genau das macht die Region gerade auch für jüngere Besucher attraktiv.
Unser Ausflug führt uns nach Beatenberg. Von hier aus könnte man theoretisch mit der Niederhornbahn auf das Niederhorn fahren, allerdings ist diese aufgrund von Wartungsarbeiten Ende September (2025) geschlossen. Der Wanderweg führt uns von der Busstation zur Mittelstation «Vorsass» rauf. Es geht mitten durch den Wald und immer im Schatten den Berg hoch – perfekt für den doch ziemlich sonnigen und warmen Herbsttag. Auf dem letzten Abschnitt kann man zwischen einem kurzen Stück über einen Forstweg oder einem weiteren Wanderweg durch den Wald entscheiden. Oben angekommen wartet, auf jeden der möchte, eine Hütte mit leckeren Speisen und Getränken, ein traumhafter Blick auf den Thunersee und natürlich wieder auf das Berner Dreigestirn. Darüber hinaus kann man seinen Blick ins weite
Alpenmassiv des Berner Oberlands schweifen lassen.
Den Abend lassen wir auf unserem schönen Stellplatz auf der Manor Farm ausklingen und genießen noch einen kleinen Abendspaziergang ins nahgelegene Naturschutzgebiet Weissenau. Nach so einem aktiven Tag durfte eine kleine Erfrischung im See nicht fehlen – der perfekte Abschluss für diese schöne Reise!
Mit diesen vielen, unvergesslichen Erlebnissen im Gepäck, verabschieden wir uns aus der wundervollen Region rund um Interlaken und können es kaum erwarten, 2026 wiederzukommen. Die Region hält noch so viel mehr bereit. Auch bei unserem nächsten Besuch würden wir wieder in der Nebensaison reisen, da viele Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten deutlich weniger besucht sind, die Campingplätze mehr Möglichkeiten für Spontanbuchungen bereithalten und die Natur sich zu dieser Jahreszeit von ihrer schönsten Seite zeigt. Zusätzlich schont die Nebensaison auch den Geldbeutel etwas, da viele Campingplätze für die Nebensaison geringere Preise abrufen.
Also, worauf wartest du noch?
*Hinweis: Der in diesem Blogartikel erwähnte Camping Hobby wird ab 2026 als «Camping Lazy Rancho - Adults only» weitergeführt.



